Orchester & Dirigent

Das Orchester

Ein Blick zurück, auf den Werdegang des Orchesters, auf glanzvolle Zeiten, aber auch auf Zeiten voller Schwierigkeiten und Krisen. Vieles ist uns in Form von Protokollen, Programmen und Zeitungsberichten erhalten, einiges ist verschollen. Hie und da sind sogar Fotos vorhanden. Die folgenden Berichte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle der Protokolle, Programme und Zeitungsausschnitten.

Beginnt man in den Aufzeichnungen zu stöbern, so werden aus den Namen nach und nach Gestalten, und je intensiver man sich in die Lektüre vertieft, umso mehr nimmt der Verein vor dem geistigen Auge Konturen an, ja beginnt zu leben. Dabei entsteht neben dem Bild des Orchesters auch eine wahrhaftige Zeitgeschichte, Denn es werden nicht nur Ereignisse des Vereins festgehalten, sondern auch politische und wirtschaftliche Begebenheiten aus der näheren und weiteren Umgebung, die das Vereinsleben zum Teil massgebend beeinflussten und ein Bild der damaligen Zeit widerspiegeln.

So liest man im ersten Mitgliederverzeichnis von 1910 – das Orchester wurde am 16. Dezember 1909 als Orchesterverein Arbon gegründet – dass die Aktivmitglieder einen Monatsbeitrag von Fr. 1,– entrichteten, der dann im August des gleichen Jahres auf Fr. 0,50 reduziert wurde. Auch hatte man Schwierigkeiten, genügend Aktivmitglieder zu finden, weshalb man gemäss Protokoll vom 27.8.1912 beschloss, «in den hiesigen Tagesblättern Inserate aufzugeben, in welchen erwähnt werden sollte, dass junge Leute, welche sich speziell mit Streichinstrumenten befassen, aufgemuntert werden, dem Orchesterverein beizutreten, wo ihnen Gelegenheit geboten ist, sich im Zusammenspiel zu üben. Nebenbei sollte auch bemerkt werden, dass Bass und Viola vom Verein zur Verfügung gestellt werden».

Zwischen 1913 und 1921 fehlen protokollarische Aufzeichnungen, und auch über Konzertaktivitäten ist bis 1920 nichts bekannt, ein Hinweis auf die schwierigen Verhältnisse vor, während und nach dem ersten Weltkrieg 1914-1918. Aber am 3. Juni 1920 fand im «Baer-Garten», der ebenso wie der «Lindenhof» heute nicht mehr existiert, ein Konzert statt. Über die Höhe des Eintritts ist nichts bekannt, hingegen gab man am 30. Januar1921 das erste Sinfoniekonzert in Arbon, mit Eintrittspreisen von Fr. 2,00 bis 2,50 «für nummerierte und Fr. 1,50 für unnummerierte Plätze»! Dieses Konzert wurde in der lokalen Presse ausführlich gewürdigt.

Im weiteren geben zahlreiche, grösstenteils handgeschriebene Sitzungsprotokolle, Programme und Zeitungsausschnitte Aufschluss über Hauptversammlungen, Vereinsabende, Volks-, Garten-, Quai- und Sinfoniekonzerte sowie Schlosshof-Serenaden. Köstlich sind die teils sehr humorvollen Kommentare der Protokollführer, wie zum Beispiel dieser vom 29. Januar 1938: «Schade dass Herr XXX mit seinen Fingern auf der Geige nicht so gut jonglieren kann wie mit Stühlen und Tischen, dann wäre er ein noch viel willkommeneres Orchester-Mitglied». Bemerkenswert ist unter anderem auch das 10. Sinfoniekonzert vom 6. November 1932, das zu Gunsten der Arbeitslosen gegeben wurde: «Das Ergebnis des Konzertes beträgt Fr. 377,20 zu Gunsten der hiesigen Arbeitslosen».

 

Leo Gschwend

Leo Gschwend ist seit 1987 Dirigent des Sinfonischen Orchesters Arbon. Unter der Ägide des 1952 in Arbon geborenen Vollblutmusikers wandelte sich das Orchester vom reinen Streichorchester zu einem sinfonischen Orchester, dessen Besonderheit auch im Zusammenspiel von Laien und Berufsmusikern liegt.

Leo Gschwend absolvierte bei Lilly M. Herz und am Konservatorium in Zürich seine Violinausbildung, die er 1976 mit dem Lehrdiplom abschloss. Nach der Ausbildung am Konservatorium folgte ein Studienaufenthalt in Wien bei Michael Frischenschlager (Violine) und Karl Oesterreicher (Dirigieren). Zurück in der Schweiz, setzte er sein Studium bei Anton Fietz fort und besuchte nach erfolgreicher Reifeprüfung 1980 die Meisterkurse bei Rudolf Kolisch und Wolfgang Schneiderhan.

In den Jahren von 1979 bis 1987 war er ständiges Mitglied des Sinfonieorchesters St. Gallen und ist seither dessen ständiger Gast. Seit 1987 leitet Leo Gschwend die Musikschule Arbon und widmet sich als Musikschulleiter, Dirigent, Violin- und Violalehrer vor allem pädagogischen und kammermusikalischen Aufgaben. Neben den Auftritten mit dem Sinfonischen Orchester Arbon im Bodenseeraum sieht und hört man ihn auch als Bratschist in einem Trio zusammen mit Querflöte und Harfe.